orthodoxe Ostkirchen 6. Oktober
Patronat: Ostindien, Goa (Westindien), Portugal, Urbino (Italien), Parma (Italien), Riga (Lettland), des Kirchenstaates; der Architekten, Geometer, Maurer, Zimmerleute, Bauarbeiter, Steinhauer, Theologen; gegen Rückenschmerzen; für eine gute Heirat
Wie viele andere Jünger war Thomas bis zu seiner Berufung Fischer am See Genezareth, sein Name lautet auf Griechisch »Didymus« (Zwilling). Fälschlich wurde er deswegen als Bruder Jesu bezeichnet.
Er ist in den Apostellisten und an mehreren Stellen im Johannesevangelium erwähnt. Nachdem die Apostel den Heiland nicht vom Gang nach Jerusalem (und seiner Verurteilung) abhalten konnten, sagte Thomas: »Auch wir wollen mitgehen und mit Ihm sterben.« (Johannesevangelium 11,5–16) Als Jesus nach der Auferstehung den Jüngern erschien, war Thomas nicht anwesend und bezweifelte deshalb das Geschehen. Erst bei einer weiteren Erscheinung bekannte er seinen Glauben mit dem Ausruf »Mein Herr und mein Gott!« (Johannesevangelium 20, 25–28) Gerade durch seinen Zweifel wurde Thomas sehr populär. Papst Gregor der Große (590–604; hl.) sagte über ihn, dieser Apostel habe durch seinen Unglauben dem Glauben mehr genützt als die übrigen Apostel durch ihren Glauben.

Quelle: Herder-Verlag
Später reiste Thomas am weitesten von allen Aposteln: Er soll in Parthien missioniert haben und nach Indien gegangen sein, wo er König Gundisar (oder Gundaphar oder Gundophor) einen Palast nach römischem Muster bauen sollte. Die Finanzmittel dafür verteilte er aber an die Armen. Als der König ihn zornentbrannt in den Kerker werfen ließ, erschien ihm sein verstorbener Bruder und erklärte ihm, Thomas habe ihm im Jenseits schon den prächtigsten Palast erbaut. Der König ließ sich mit vielen Edlen taufen und gestattete dem Apostel, weiter nach Süden zu ziehen und den Glauben zu verkünden.
Verschiedene Legenden berichten von seinem Tod durch das Schwert oder die Lanze um 72 n.Chr. Als Ort seines Martyriums wird meist Kalamina, das heutige Mailapur bei Madras, angegeben. Hier gibt es den »Großen Thomasberg«. 1547 wurde auf ihm eine Kirche zu Ehren von Thomas errichtet, sie enthält das Thomaskreuz aus dem 7. Jahrhundert, dessen Inschrift von seinem Martyrium erzählt. 2004 hat Rom den Berg bei Mailapur als ersten internationalen Wallfahrtsort Indiens anerkannt.
Der größte Teil der Thomas- Reliquien wurde an einem 3. Juli – daher der Gedenktag – im 3. Jahrhundert nach Edessa (heute Urfa, Türkei) übertragen. 1218 kamen Reliquien auf die griechische Insel Chios und von dort nach Ortona in den Abruzzen, wo sie bis heute aufbewahrt werden. Ein Finger befindet sich in Rom.
In Nag Hammadi in Ägypten wurde 1945 unter anderen zahlreichen Handschriften auch ein vollständiges Exemplar des Thomasevangeliums in koptischer Sprache entdeckt: eine Sammlung von Jesusworten ohne Erzählungen oder Passionsgeschichte, dem Vorwort nach von Thomas verfasst. Datiert wird es um 400, es geht allerdings auf ein älteres, in Griechisch verfasstes Exemplar zurück (Oxyrhynchus-Papyrus), das noch im 1. Jahrhundert n.Chr. in Syrien geschrieben worden sein mag. Eine echte »Autorenschaft« von Thomas lässt sich so also nicht belegen. Thomas ist Kanonheiliger der katholischen Kirche, d. h. sein Name wird – wie auch die der anderen elf Apostel – im Messkanon, dem Hochgebet, genannt.
Darstellung: im Apostelgewand (Tunika und Mantel) – barfuß und mit Bart; meist zusammen mit den anderen Aposteln oder als der »ungläubige Thomas « vor dem auferstandenen Jesus und dessen Wundmale berührend
Attribute: Buch oder Schriftrolle; Winkelmaß (weil er der Legende nach Baumeister war); Schwert, Lanze, Steine (Martyrium)
