Wenn Glaube Flügel bekommt

16.09.2026 |

Die evangelische Dekanin Glöckner-Lang und der katholische leitende Pfarrer Tobias Streit feiern ökumenischen Gottesdienst auf dem Flugplatz. Beide verbindet Glauben, Gemeinschaft und die Freude am Fliegen.

Sinsheim. Ein Gottesdienst unter freiem Himmel, Flugzeuge in unmittelbarer Nähe, Bläsermusik und Papierflieger, die zu Glaubensboten wurden: Der ökumenische Gottesdienst auf dem 
Flugplatz am Sonntag, den 13. September  war ein ebenso lebendiges wie besonderes Erlebnis. Gemeinsam gestalteten der leitende Pfarrer der katholischen Kirchengemeinde Kraichgau, Tobias Streit, und die evangelische Dekanin Christiane Glöckner-Lang die Feier. Die offene Atmosphäre des Flugplatzes bot dafür eine Kulisse, die kaum passender hätte sein können.
 
Im Mittelpunkt stand eine kreative Dialogpredigt. Statt zwei Predigten nacheinander traten Glöckner-Lang und Streit miteinander ins Gespräch. Mit Papierfliegern machten sie anschaulich, was Glaube, Fliegen und das Leben miteinander zu tun haben: Ein Flugzeug braucht Auftrieb, muss sich dem Wind stellen und kann nur fliegen, wenn es sich vom Boden löst. Ebenso kennt auch das Leben Aufbrüche, Gegenwind, Turbulenzen und die Erfahrung, getragen zu sein.
 
„Glaube nimmt uns den Gegenwind nicht. Aber Gott gibt uns Auftrieb.“ Dieser Gedanke zog sich wie ein roter Faden durch die Predigt. Die beiden Geistlichen verbanden humorvolle Momente mit einer klaren christlichen Botschaft. Vertrauen bedeutet nicht, dass es im Leben keine Stürme gibt. Es bedeutet, darauf zu hoffen, dass man auch in schwierigen Zeiten nicht allein und nicht haltlos ist.
 
Im Gottesdienst wurde gemeinsam ein Psalm gebetet. So verbanden sich Gebet, Predigt, Musik und die besondere Umgebung zu einer stimmigen Feier, die in einem gemeinsamen Segen endete. Einen wesentlichen Anteil an der Atmosphäre hatten die Bläserinnen und Bläser, die den Gottesdienst musikalisch begleiteten und der Feier unter freiem Himmel einen festlichen Klang gaben.
 
Dass die Papierflieger nicht bloß Dekoration waren, zeigte sich schon vor Beginn des Gottesdienstes: Pfarrer Tobias Streit hatte die Flieger für die Predigt selbst vorbereitet und gefaltet. Während der Feier sorgte das ungewöhnliche Requisit immer wieder für Aufmerksamkeit und manches Lächeln. Die Besucherinnen und Besucher wurden in die Gedanken rund um Aufbruch, Loslassen, Gegenwind und Vertrauen hineingenommen.
Auch das Wetter spielte mit: Zwischen den Wolken zeigte sich während des Gottesdienstes immer wieder die Sonne. Flugzeuge und Segelflugzeuge im Hintergrund, die versammelte Gemeinde auf dem Gelände und die Musik der Bläserinnen und Bläser machten deutlich, dass Kirche an diesem Tag ganz bewusst außerhalb klassischer Kirchenmauern stattfand.
 
Eine Erinnerung zum Mitnehmen. Zum Abschluss wartete noch ein kleines Giveaway: Die Besucherinnen und Besucher konnten einen Bogen Papier zum Falten eines eigenen 
Papierfliegers mit nach Hause nehmen. Damit wanderte das zentrale Symbol des Gottesdienstes aus der Feier hinein in den Alltag. Eine kleine Idee, die die Botschaft noch einmal aufgriff: Manchmal braucht es Mut, etwas loszulassen und darauf zu vertrauen, dass es getragen wird. Vor allem aber war der Gottesdienst ein starkes Zeichen gelebter Ökumene. Katholischer Pfarrer und evangelische Dekanin standen nicht nur nebeneinander, sondern gestalteten die Feier gleichberechtigt miteinander. Die Freude daran war ihnen ebenso anzumerken wie der Gemeinde. Es wurde gebetet, gesungen, nachgedacht und gelacht. So entstand auf dem Flugplatz ein Gottesdienst, der leicht wirkte, ohne oberflächlich zu sein, und der eine ernste Botschaft mit Lebensfreude verband.
 
Ein gelungenes Fest, eine besondere Atmosphäre und ein ökumenisches Ereignis, das vielen noch lange in Erinnerung bleiben dürfte. Und vielleicht wird beim nächsten selbst gefalteten Papierflieger auch dieser Satz wieder präsent: „Glaube nimmt uns den Gegenwind nicht. Aber Gott gibt uns Auftrieb.“